Landwirt/Landwirtin werden? Zwischen Vorurteilen und echten Perspektiven

Jugendliche auf der Suche nach dem „Traumberuf“ können zwischen rund 300 dualen Ausbildungsberufen wählen. Die Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt ist eine davon. Das Berufsbild ist sehr vielseitig, technisch anspruchsvoll und sehr naturverbunden. Nach Abschluss der Ausbildung bieten sich zahlreiche Fortbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten. Aber vor allen Dingen ersetzt kein Roboter, keine KI und keine Automatisierung diesen Beruf!
Nicht umsonst lautet der Slogan der aktuellen Nachwuchskampagne des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus „Die Unersetzlichen – Berufe, die bleiben. Menschen, die zählen.“
Wer wird heutzutage noch Landwirtin oder Landwirt?
Im Jahr 2025 lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge für den Ausbildungsberuf Landwirtin oder Landwirt in Bayern bei 773. Damit zählt diese Ausbildung unter den 14 grünen Berufen zu den beliebtesten. In einer anonymen Umfrage wurden 123 dieser Auszubildenden bezüglich ihrer landwirtschaftlichen Vorkenntnisse befragt.
Etwa drei Viertel der Teilnehmer kommen aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Durch Familie oder Freunde hatten 85 Prozent bereits vor der Ausbildung Berührungspunkte mit der Landwirtschaft, gefolgt von Praktikum (50 Prozent) und Ferienarbeit (20 Prozent). Nur 16 Prozent der Befragten haben entsprechende Informationen zu Ausbildungsberufen in der Landwirtschaft in ihrer Schulzeit erhalten. Die Befragung macht deutlich: Wer nicht durch familiäre Hintergründe oder sein soziales Umfeld in Kontakt mit Landwirtschaft kommt, wählt eher selten diesen Beruf.
Aber warum ist das so, obwohl doch mit dem Begriff „Bauer“ jeder etwas anfangen kann?
„Die Vorstellungen von unregelmäßigen und langen Arbeitszeiten, die schwer mit dem Privatleben zu vereinbaren sind, spielen hier sicherlich eine große Rolle“, vermutet Christoph Ritschel, Berater für Bildungsfragen am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg. Er führt dazu aus: „Arbeitsspitzen gerade bei tierhaltenden Betrieben und während der Ernte lassen sich nicht vermeiden. Bestimmte Tätigkeiten wie witterungsabhängige Feldarbeiten oder das Tränken der Kälber lassen sich einfach nicht nach der Stechuhr ausführen. In der Regel handelt es sich es aber um einzelne Tage und um nicht dauerhafte Zustände.“
In der bereits erwähnten Befragung wurden auch Wunschvorstellungen der Azubis mit der Wirklichkeit auf dem Ausbildungsbetrieb hinsichtlich verschiedener Kriterien abgefragt. In allen Punkten rund um die Arbeitszeit ist die Situation auf den Ausbildungsbetrieben sogar besser als die Wunschvorstellungen der Auszubildenden.
„Auch Ängste bezüglich der Perspektive nach der Ausbildung begegnen mir vor allem von Seiten der Eltern in Beratungsgesprächen häufig, wenn kein eigener Betrieb vorhanden ist“, berichtet Ritschel weiter. In Zeiten des Fachkräftemangels fänden Absolventinnen und Absolventen jedoch in der Regel problemlos eine passende Anstellung, z. B. bei Betrieben, Lohnunternehmen, in Handel und Verkauf oder in Beratung und Dienstleistung.
„Ich halte gerade das Berufsbild der Landwirtin oder des Landwirts heutzutage für sehr zukunftsfähig. Auch wenn der generelle Wandel in der Arbeitswelt immer mehr hin zu Künstlicher Intelligenz geht, werden echte Menschen bei so etwas Grundlegendem wie Lebensmittelproduktion und Tierversorgung nie überflüssig werden“, schließt der Berater für Bildungsfragen mit einem positiven Ausblick.

