Mehr als Honig
Warum Bienen für Bayern unverzichtbar sind
Wer an Bienen denkt, denkt meist zuerst an Honig. Tatsächlich leisten die fleißigen Insekten jedoch weit mehr: Sie gehören zu den wichtigsten Bestäubern unserer Kultur- und Wildpflanzen und sorgen dafür, dass Obst, Gemüse und zahlreiche andere Pflanzen gedeihen. Rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzenarten sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen.
Bayern hat die meisten Bienenvölker
Bayern ist dabei ein echtes Bienenland. Mehr als 42.500 Imkerinnen und Imker betreuen rund 285.000 Bienenvölker. Das entspricht mehr als einem Viertel aller Bienenvölker Deutschlands. Unterstützt werden sie dabei unter anderem von den Bienenfachberaterinnen und Bienenfachberatern an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der Nutzen von Bienen geht weit über die Honigproduktion hinaus: Die Bestäubungsleistung der Honigbienen wird bundesweit auf rund 3,8 Milliarden Euro jährlich geschätzt.
Fleißige Bienen
Wie viel Arbeit hinter einem Glas Honig steckt, weiß Doro Stuhlmüller, Imkerin aus Langweid, aus eigener Erfahrung. „Eine Biene besucht jeden Tag hunderte Blüten und produziert in ihrem ganzen Leben nur ein bis zwei Teelöffel Honig. Erst das Zusammenspiel tausender Tiere macht die Ernte möglich.“ Deshalb wünscht sie sich auch noch mehr Wertschätzung für regionale Imkereien. „Viele Verbraucher empfinden einen Preis von sieben Euro für ein Glas Honig als hoch. Damit sind aber nicht nur die Arbeit am Bienenvolk, sondern auch die Kosten für Gläser, Steuer, Versicherungen und vieles mehr abzudecken.“
Gefahren für Bienen
Es liegt im Interesse des Imkers, dass es den Bienenvölkern gut geht. „Bienen mögen Massentierhaltung“, sagt Stuhlmüller mit einem Augenzwinkern. „In einem Bienenstock gibt es keine Tür. Wenn die Bienen mit mir unzufrieden wären, würden sie einfach ausziehen.“ Honig liefern deshalb nur gesunde und starke Völker. Eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen ist die Varroa-Milbe. Der eingeschleppte Parasit befällt die Brut, schwächt die Bienen und überträgt Krankheiten. Ganz ohne diese Milben lebt heute kein Bienenvolk mehr. Entscheidend ist es, den Befallsdruck möglichst gering zu halten. Dafür setzen Imker je nach Jahreszeit unter anderem Ameisen- oder Oxalsäure ein.
Auch invasive Arten wie die Asiatische Hornisse bereiten zunehmend Sorgen. Sie bedroht Honigbienen und schwächt Bienenvölker. Gleichzeitig verändern sich die Lebensräume vieler Bestäuberarten. Versiegelte Flächen, monotone Gärten und ein lückenhaftes Blütenangebot können die Nahrungssuche erschweren. Dabei kann jeder einen Beitrag leisten. „Haben Sie Mut zur Unordnung“, rät Stuhlmüller. Eine Ecke im Garten kann sich selbst über-lassen werden. Mit liegen gebliebenem Laub und natürlichen Strukturen werde diese schnell zu einem wertvollen Lebensraum für Insekten, Vögel und Igel. Auch auf Steingärten und Mähroboter sollte möglichst verzichtet werden. „Falls sich Nachbarn wundern, hängt man einfach ein Schild auf: Das ist keine Unordnung, sondern ein Habitat für Insekten“ sagt die Imkerin schmunzelnd.
Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft
Positiv erlebt sie die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Landwirte informieren sie vor dem Mähen der Pflanzen oder erledigen bestimmte Arbeiten erst am Abend, wenn die Bienen nicht mehr fliegen. Ein Betrieb habe sogar statt Mais die „Durchwachsene Silphie“ angebaut. Das ist eine mehrjährige Pflanze, deren Blüten im August reichlich Pollen und Nektar bieten, wenn andere Nahrungsquellen bereits knapp werden.
Für Bienen ist der Sommer zu Ende
Denn während für viele Menschen der Sommer noch in vollem Gange ist, beginnt für die Bienen bereits die Vorbereitung auf den Winter. Als Tracht wird das gesamte Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau bezeichnet. Nach der Haupttracht im Frühling finden die Bienen vereinzelt noch Nahrung zum Beispiel auf Himbeer- oder Brombeerblüten. „Das ist aber nur noch eine Läppertracht“, erklärt Stuhlmüller. Der Honigertrag ist so gering, dass eine Honigernte kaum noch möglich ist.
Neben der Honigbiene gibt es in Bayern rund 520 heimische Wildbienenarten. Gemeinsam leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag für Artenvielfalt und Landwirtschaft. Denn Honig kann zwar importiert werden – die Bestäubungsleistung der Bienen vor Ort jedoch nicht. Wer regionale Imker unterstützt und seinen Garten bienenfreundlich gestaltet, hilft deshalb weit über das eigene Blumenbeet hinaus.


