Erntefahrt
Wie wird die Ernte im Landkreis Augsburg 2026?

Im Rahmen einer sogenannten Erntefahrt stellen das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Augsburg, der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) jährlich wechselnd in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg die Anbaubedingungen für landwirtschaftliche Betriebe vor. Ziel ist es, der Öffentlichkeit einen Einblick in die Herausforderungen der Landwirtschaft und die Auswirkungen auf die heimische Lebensmittelproduktion zu geben.

„Gerade in unsicheren Zeiten wollen wir die Bedeutung der Ernährungssicherung im eigenen Land wieder stärker ins Bewusstsein rücken“, eröffnet Axel Heiß, Behördenleiter des AELF Augsburg, die Veranstaltung in Ellgau.

Es wird heißer und trockener

„Uns ist es wichtig, einen Einblick in die Produktionsbedingungen und Herausforderungen der heimischen Landwirtschaft zu geben.“ Eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre seien die steigenden Temperaturen in Verbindung mit verringerten Niederschlägen. „Seit etwa dem Jahr 2000 ist ein deutlicher Anstieg der Durchschnittstemperaturen zu beobachten. Konkret liegen wir von Januar bis Mai dieses Jahres bereits 2,1 Grad über dem langjährigen Mittel.
Gleichzeitig verzeichnen wir bei den Niederschlägen ein Defizit von rund 130 Litern pro Quadratmeter. Ende Mai wurden an der Wetterstation Ainertshofen nahe des Veranstaltungsortes lediglich 170 statt der üblichen 300 Liter Regen gemessen“, berichtet Heiß. Wie stark sich die Trockenheit auf die Kulturen und deren Erträge auswirke, hänge jedoch auch maßgeblich von den jeweiligen Bodenverhältnissen ab.

Der Boden entscheidet über die Wasserverfügbarkeit

„Hier im Lechfeld haben wir viele kiesige Böden. Auf diesen Standorten leiden die Pflanzen deutlich schneller unter Wassermangel“, erklärt Landwirt Andreas Zwerger, auf dessen Betrieb die Rundfahrt beginnt. „Daneben verfügen wir aber auch über viele schwere, tonhaltige Böden mit einer deutlich höheren Wasserspeicherkapazität.“ Zwerger betreibt schwerpunktmäßig Tierhaltung, dazu gehört auch Ackerbau zur Futtergewinnung.
Auf seinen Flächen wächst unter anderem Körnermais, der sich bislang positiv entwickelt hat. Verantwortlich dafür seien die guten Bodenverhältnisse, möglicherweise aber auch die zuvor angebaute Zwischenfrucht. Vor dem Mais stand auf der Fläche Riesenweizengras, eine Energiepflanze für Biogasanlagen. Diese Pflanze wurzelt tief und fördert die Humusbildung – eine gute Grundlage für die nachfolgende Kultur.
Wie vieles bei den Ellgauer Landwirten ist auch die Erntefahrt Teamarbeit. „Bei uns geht es miteinander, nicht gegeneinander“, sagt Zwerger mit Stolz. Um ein möglichst repräsentatives Spektrum regionaler Kulturen präsentieren zu können, wurden auch Flächen benachbarter Betriebe besichtigt.

Sommergerste geht´s noch gut

„Ich denke, wir kommen noch mit einem blauen Auge davon“, sagt Maximilian Lichti, Betriebsleiter des 200 Hektar großen Guts Herrlehof. Er rechnet auf seinem Betrieb mit einer mindestens durchschnittlichen Ernte. Mit dem Wuchs seiner Sommergerste ist er zufrieden. „Die Trockenperiode hat die Pflanzen in einer Entwicklungsphase getroffen, in der sie in ihrem Wachstum vergleichsweise schadlos pausieren konnten. Durch die später einsetzenden Niederschläge konnten sich die Ähren noch zufriedenstellend ausbilden. Sommergerste ist zudem eine relativ genügsame Kultur. Die trockene Witterung hatte auch einen Vorteil: „Wir hatten kaum Probleme mit Pilzkrankheiten und konnten sogar eine Pflanzenschutzmaßnahme einsparen“, berichtet Lichti.

Sorgenkind: Zuckerrübe

Mit größerer Sorge blickt er dagegen auf seine Zuckerrüben. „Die Entwicklung der Pflanzen ist gut, aber die Schilf-Glasflügelzikade, die in unserer Region zunehmend auftritt, gefährdet die Qualität der Rüben. Der Fraß der Zikade richtet nur geringe direkte Schäden an. Problematisch ist jedoch, dass sie zwei Krankheiten überträgt: Stolbur und SBR. Die eine macht die Rüben gummiartig, die andere senkt den Zuckergehalt. Beides kann die Erträge erheblich reduzieren und den Anbau wirtschaftlich unattraktiv machen.“

Qualität der Kartoffeln entscheidet sich erst noch

Als dritter im Bunde präsentiert Josef Leichtle seinen Kartoffelacker. Auch hier sieht es bislang vielversprechend aus. „Aber das Jahr ist noch lang“ sagt der Landwirt schmunzelnd. Seine Kartoffeln werden über Abnahmeverträge für die Herstellung von Pommes frites und Wedges vermarktet. Dafür müssen die Knollen bestimmte Größen- und Qualitätsanforderungen erfüllen.
Die Wetterprognosen für die kommenden Wochen sagen weiterhin hohe Temperaturen und wenig Niederschlag voraus. „Bei anhaltender Trockenheit entwickeln sich die Kartoffeln zunächst kaum weiter“, erläutert Birgitt Wagenpfeil, Pflanzenbauexpertin des AELF Augsburg. „Kommt später wieder Regen, wachsen die vorhandenen Knollen nicht einfach weiter. Stattdessen bildet die Pflanze neue Knollen. Dadurch bleiben die einzelnen Kartoffeln kleiner und enthalten weniger Stärke. Beides wirkt sich negativ auf die Qualität als Pommes-Kartoffel aus.“

Zusammenfassend fällt die Prognose für die Region derzeit verhalten optimistisch aus. „Über alle Kulturen hinweg hängt die Qualität und Menge der Ernte entscheidend von der Witterung der kommenden Wochen ab“, sagt Heiß. „Fällt ausreichend Regen, sind die Aussichten gut. Bleibt es jedoch heiß und trocken, können bei einzelnen Getreidesorten Notreife und bei Kulturen wie Kartoffeln und Mais spürbare Ertragseinbußen drohen. Weiter südlich im Landkreis werden die Böden zunehmend kiesiger, sodass sich die Situation dort deutlich schneller zuspitzt.“