Aktuelle Hinweise zum Kartoffelanbau (Stand: 3. Juli 2026)

Ein Schwerpunkt des Kartoffelanbaus in Bayern liegt im Dienstgebiet unseres Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg. Das Sachgebiet L2.3P - Landnutzung gibt Hinweise für die richtige Lagerung und Düngung.
Krautfäule und Alternaria
In den meisten Fällen ist der alleinige Einsatz von 0,4 l/ha Fluazinam oder bei Beregnungsbetrieben 0,5 l/ha Ranman Top wegen der besser Regenfestigkeit ausreichend. Sollten die Niederschläge sehr intensiv ausgefallen sein, das Laub noch sehr vital sein und durch schwülwarme Witterung mehrere Tage günstige Krautfäulewitterung vorherrschen können auch teilsystemische Fungizide wie 0,6 l/ha Pergovia, 1,0 l/ha Voyager, 0,6 l/ha Grecale 0,45 kg/ha Reboot oder 0,6 kg/ha Carial Flex angebracht sein.
Die Mittel Pergovia, Carial Flex und Voyager enthalten die Wirkstoffe Mandipropamid bzw. Valifenalate, die von der CAA-Resistenz betroffen sind und sollten niemals hintereinander eingesetzt werden. Auch der alleinige Einsatz von Mandipropamid (z.B. Revus bzw. Revus Top) sollte – unabhängig vom Krautfäuledruck – unterbleiben.
Im Gegensatz zur Krautfäule sieht die Situation bei Alternaria anders aus. Die Infektionsbedingungen für den Alternariaerreger sind hier aktuell sehr hoch (hohe Temperaturen gefolgt von Gewitterniederschlägen). Stressige Bedingungen wie Sonnenbrand oder andere Eintrittspforten, z.B. auch durch Läuse- oder Käferfraß können das Auftreten dieser irreversiblen Krankheit beschleunigen. Wenn Alternaria im Bestand ist, dann ist es zu spät! Vorbeugendes Handeln ist hier entscheidend.
Deshalb sollte, wenn noch nicht geschehen, in anfälligen Sorten jetzt mit Alternaria Maßnahmen gestartet werden. Da auch bei diesem Erreger zumindest mittelfristig Wirkungsverluste durch Resistenzbildung vorprogrammiert sind, ist auch hier auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel zu achten. So könnte eine Spritzfolge gegen Alternaria wie folgt aussehen: Belanty - Propulse – Revus Top/Narita XL– Propulse – Belanty.
Belanty und Propulse sollten vorbeugend eingesetzt werden und haben ihre Stärke in der guten Dauerwirkung (ca. 14Tage). Das Difenoconazol im Narita XL und Revus Top hat die beste Kuartivwirkung und sollte daher in den späteren Spritzungen mit eingeplant werden.
Die Strobilurine im Ortiva und Signum sollten jetzt gegen Alternaria nicht mehr eingesetzt werden, lediglichder Vitalisierungseffekt kann z.B. in Beständen mit Hagelschlag genutzt werden.
Amtlicher Warndienstaufruf zur Bekämpfung der Glasflügelzikaden als Bakterienvektoren
Die wöchentlich aktualisierten Fangzahlen werden auch wieder über die Plattform ISIP veröffentlicht:
Blattlauszuflug - aktuell für Vermehrung
Eigenen Nachbau auf Virusbefall untersuchen lassen
Deshalb sollte auch der Nachbau auf Virus untersucht werden. Ab 15 bis 20% Virusbefall, abhängig von der Art des Virus, sollte auf einen Nachbau verzichtet werden, wegen Ertrags- und Qualitätsverschlechterung. Zur Untersuchung Knollen in Pflanzgutgröße einsenden.
LfL mit Augenstecklingstest:
Kosten: ca. 90 € pro Probe bei Untersuchung auf zwei Viren; ca. 61€ pro Probe bei Untersuchung auf nur einen Virus
(Untersuchung auf die relevanten Viren je nach Sortenanfälligkeit)
130 Knollen (Anlieferung in Freising)
BGD mit PCR:
Kosten: 163 € pro Probe (Untersuchung auf R,Y,M)
210 Knollen (Anlieferung Rain / Lech, BGD)
Der Augenstecklingstest dauert länger, liefert aber den genaueren Wert, insbesondere bei höherem Virusbesatz, denn der PCR Test kann keine Unterscheidung zwischen 14 % und 100 % Befall liefern. Bis zu 14 % Virusbefall liefert der PCR Test ebenfalls sehr gute unterscheidbare Werte. Hintergrund ist, dass hier nach befallenen Pools verrechnet wird: 11 Pools von 12 befallen sind 14% Virus, 12 Pools von 12 befallen sind 100 % Virus.
Der PCR-Test geht schneller und es kann, wenn gewollt auch gleich Ring- und Schleimfäule mit untersucht werden.
Bei allen Untersuchungen wird auf alle relevanten Viren getestet.
Schilfglasflügelzikade / Stolbur / SBR
Die nach wie vor wirksamste Maßnahme zur Eindämmung der Population ist eine möglichst lange Schwarzbrache (5-6 Monate) nach Wirtspflanzen wie Kartoffeln und Zuckerrüben, wodurch eine Reduktion von bis zu 90 % möglich ist.
Auch kann eine tiefe Bodenbearbeitung möglichst schnell nach der Ernte die Nymphen minimieren, da diese relativ schnell in tiefere Bodenschichten wandern. Der Effekt ist hier nach Zuckerrüben noch größer, da bei der Kartoffelernte durch das Roden schon ein intensiver Eingriff in den Boden stattfindet.
Bei beiden Maßnahmen ist der Erfolg am größten, wenn diese möglichst flächendeckend von allen Betrieben durchgeführt wird.
Monitoring und Hinweise zur Schilfglasflügelzikade des AELF Augsburg mit weiteren Verlinkungen
Vorläufige Anbauflächen Kartoffeln
Weitere schriftliche aktuelle Hinweise über den Partner in der Verbundberatung - Pflanzenbau

