Wie Einrichtungen die Herausforderungen der Gemeinschaftsverpflegung meistern
Schulverpflegung – mit Energie durch den Schulalltag

Immer mehr Schülerinnen und Schüler nehmen ihr Mittagessen in der Schule ein. Ob frisch gekocht oder geliefert: Hinter jeder Mahlzeit steckt weit mehr als nur ein warmes Essen. Die Anforderungen sind hoch – Die Verpflegung soll gesund, schmackhaft und bezahlbar sein.

Orientierung bieten seit 2017 die Bayerischen Leitlinien für Schulverpflegung. Unterstützung bekommen die Einrichtungen in Schwaben kostenlos von der Vernetzungsstelle für Kita- und Schulverpflegung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg. Véronique Germscheid von der Vernetzungsstelle hat mit zwei Schulen über die praktische Umsetzung der Leitgedanken Gesundheit, Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gesprochen.

Grundschule Kühbach – Frischküche mit Herz

In der Grundschule Kühbach bereiten Marion Kretschmer und Andrea Böck täglich bis zu 90 warme Mahlzeiten frisch zu – bei Bedarf auch mehr. Gegessen wird in mehreren Schichten. Besonders wichtig ist die Beteiligung der Kinder: Im März durften sie den Speiseplan mitgestalten. „Die Schülerinnen und Schüler haben uns auf neue Ideen gebracht“, berichtet Kretschmer. Neben Wunschgerichten wird stets auf Ausgewogenheit geachtet – mit Gemüse, Salat und frischen Kräutern.
Die beiden hauswirtschaftlichen Fachkräfte kochen mit Leidenschaft und das schmeckt man: „Du hast dir heute fünf Sterne verdient“ lobt ein Essengast die Schulverpflegung. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die persönliche Ansprache. „Sich a bisserl Zeit für die Kinder nehmen“ lautet dabei das Geheimrezept. Denn vor allem den Erstklässlern zu erklären, was sie sich unter den einzelnen Gerichten des Speiseplans vorstellen können, wirkt Wunder. Portionsgrößen werden individuell auf Wunsch der Kinder gewählt und die beiden Fachkräfte haben über die Jahre Erfahrungswerte hinsichtlich der Mengen dokumentiert und können so die Mengen sehr gut kalkulieren. Das Ergebnis zeigt sich deutlich – kaum Lebensmittelabfälle und eine hohe Akzeptanz.
Auch Regionalität spielt eine Rolle: Zutaten stammen möglichst von örtlichen Betrieben, verarbeitet wird saisonal – sogar das Kartoffelschälen erfolgt noch von Hand.

„Ich finde es wichtig, dass die Schüler ein gutes Angebot aus allen Lebensmittelgruppen erhalten“, fasst Marion Kretschmer zusammen. „Damit können sie täglich gute Leistung bringen, denn nur mit Wasser kann man nicht lernen!“

Grund- und Mittelschule Stadtbergen – Organisation und Vielfalt

An der Parkschule Stadtbergen sowie der Leopold-Mozart-Grundschule in Leitershofen wird das Mittagessen von einem Caterer geliefert. „Allein in der Parkschule essen täglich bis zu 250 Schülerinnen und Schüler in drei Schichten“ erklärt Hauswirtschaftsleiterin Maria Mair. Frau Mair hat die Schulverpflegung seit 2010 kontinuierlich mit viel Herzblut aufgebaut. Begonnen hat sie als einzelne Kraft mit einer Klasse. Die Angebote der Vernetzungsstelle Schwaben halfen ihr beim Austausch und Vernetzen mit anderen Schulen. Heute koordiniert sie ein zehnköpfiges Team.
Täglich kann aus zwei Menüs gewählt werden, eine weitere vegetarische Mahlzeit steht als wöchentliches Auswahlessen zur Verfügung. Ein Highlight für Schülerinnen und Schüler ist die wöchentliche Salattheke. Die unterschiedlichen Geschmäcker von der ersten bis zur neunten Klasse unter einen Hut zu bekommen ist eine der größten Herausforderung.
„Das gleicht immer wieder einem Spagat“ so Mair. „Bei uns wird aber keiner zum Essen gezwungen. Wir setzen vielmehr auf Freiwilligkeit und kleine Probierportionen, sprechen aber auch Schülerinnen oder Schüler direkt an, sollte sie mal zu viel wegwerfen“. Um Lebensmittelverschwendung noch weiter entgegenzuwirken, werden nicht ausgegebene Speisen in Rücksprache mit der Lebensmittelüberwachung vom Verein foodsharing angeholt.

Für Mair ist klar: „In den Familien hat sich viel verändert, oft müssen beide Elternteile arbeiten. Daher ist es wichtig, dass die Kinder einmal am Tag ein gesundes Essen bekommen und gemeinsam an einem Tisch sitzen.“