Winterweizen: Versuchsergebnisse und Sortenberatung

Mehrere Parzellen reifer Winterweizen

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg informiert über Versuchsergebnisse zu Winterweizen.

Sortenberatung 2025/26

  • Tertiäres Hügelland/Gäu (22):
    Eliteweizen (E): Axioma, Exsal, KWS Emerick
    Qualitätsweizen (A): Ambientus, Asory, LG Optimist, Polarkap, RGT Kreation, SU Jonte, SU Magnetron
    Brotweizen (B): KWS Mintum
    Sonstiger Weizen (C): KWS Keitum, SU Shamal
  • Jura/Hügelland (23):
    Eliteweizen (E): Axioma, Exsal, KWS Emerick
    Qualitätsweizen (A): Akzent, Ambientus, Asory, LG Optimist, SU Jonte, SU Magnetron
    Brotweizen (B): KWS Mintum
    Sonstiger Weizen (C): KWS Keitum, SU Shamal

Sortenbeschreibung

Eliteweizen (E)

Axioma (Secobra)
Axioma erreicht langjährig höchste Rohproteingehalte im LSV-Sortiment. Damit hat die Sorte ein Alleinstellungsmerkmal. Der Ertrag liegt für eine E-Sorte mehrjährig im unterdurchschnittlichen Bereich. Die stabile Fallzahl der Sorte konnte an Einzelstandorten mit Auswuchs bestätigt werden. Die Kombination aus kürzerem Wuchs und einer überdurchschnittlichen Standfestigkeit bietet Vorteile im Anbau. Die Fusariumeinstufung „+“ ist besonders zu erwähnen.
Exsal (DSV)
Exsal ist ein ertragsstarker, begrannter Eliteweizen, der Rohproteingehalte erzielt, die für eine E-Sorte oftmals zu knapp sind. Demnach ist der Rohproteingehalt von Exsal mit einem rohproteinstarken A-Weizen vergleichbar. Die Sorte zeigt in der Blattgesundheit keine Schwächen und präsentierte sich vor allem im infektionsreichen Jahr 2024 in der unbehandelten Stufe 1 an den LSV-Standorten mit dem optisch gesündesten Blattapparat aller Sorten des Hauptsortiments. Probleme könnten in Jahren mit Auswinterung entstehen. Die Winterhärte von Exsal ist unterdurchschnittlich bewertet. In Regionen mit Wildschweinschäden kann ein Grannenweizen den Schaden mindern.
KWS Emerick (KWS Lochow)
KWS Emerick ist mehrjährig ein ertragsstarker Eliteweizen, der aufgrund von schwächeren Rohproteingehalten oftmals als Qualitätsweizen vermarktet werden muss. Die Blattgesundheit ist mit Ausnahme von Septoria tritici und Halmbruch (jeweils nur mittlere Einstufung) insgesamt gut zu bewerten. Die Winterhärte von KWS Emerick ist in den Auswertungen als gut zu bewerten. Die Niederschläge vor der Ernte im Jahr 2025 zeigten auf, dass KWS Emerick bei der Fallzahlstabilität schwächen aufweist.

Qualitätsweizen (A)

Akzent (Limagrain) - Empfehlung im Jura
Ein Qualitätsweizen mit mehrjährig durchschnittlichen Erträgen, jedoch unterdurchschnittlichen Rohproteingehalten. Die Stärke der Sorte liegt in den guten Toleranzen gegenüber Blattkrankheiten, insbesondere bei Mehltau, Septoria tritici, Gelbrost und Fusarium. Die hohe Fallzahl in Kombination mit einer guten Fallzahlstabilität sind positiv zu sehen. Die Kombination einer durchschnittlichen Standfestigkeit mit einem langen Pflanzenwuchs erfordern einen gezielten und ggf. intensiven Wachstumsreglereinsatz. Aus der Versuchserfahrung heraus, ist Akzent auch als Stoppelweizen geeignet.
Ambientus (Secobra) – NEU:
Ambientus ist ein qualitativ guter A-Weizen, der mehrjährig überregional mittlere Kornerträge erzielt. Gegenüber Blattkrankheiten gehört Ambientus zu den gesünderen Sorten. Lediglich bei Halmbruch ist die Einstufung lediglich mittel. Die sehr hohe Fallzahl und die gute Fallzahlstabilität sind in Jahren mit unbeständiger Witterung zur Ernte vorteilhaft. Die Kornausbildung und das TKG sind überdurchschnittlich zu sehen. Die mittlere Pflanzenlänge und die mittlere Standfestigkeit sollten vor allem auf mit Nährstoffen gut versorgten Standorten berücksichtigt werden.
Asory (Secobra)
Ein Qualitätsweizen mit mehrjährig durchschnittlichen Erträgen, jedoch unterdurchschnittlichen Rohproteingehalten. Trotz des geringen Rohproteins besticht die Sorte dennoch mit einem, bezogen auf das schwache Rohprotein überdurchschnittlichen Backvolumen. Die Stärke der Sorte liegt in den guten Toleranzen gegenüber Blattkrankheiten. Lediglich auf Halmbruch und in Einzelfällen auch Gelbrost ist bei der Sorte zu achten. Trotz einer hohen Fallzahl ist lediglich eine geringe Fallzahlstabilität ausgewiesen, was in Problemjahren wie 2025 sich als Nachteil erweist. Die unterdurchschnittliche Standfestigkeit der Sorte ist zwingend im Auge zu behalten und den Wachstumsreglereinsatz entsprechend anzupassen. Anbaueignung gilt grundsätzlich für alle Lagen. Asory ist eher später abreifend.
LG Optimist (Limagrain)
LG Optimist konnte mehrjährig im tertiären Hügelland gute bis sehr gute Kornerträge erzielen. Die Rohproteingehalte der Sorte erreichen jedoch nur unterdurchschnittliche Werte, sodass im Erfassungshandel eine Vermarktung als B-Weizen einzukalkulieren ist. Die Krankheitstoleranzen sind insgesamt gut. Besonders zu erwähnen ist die gute bis sehr gute Toleranz gegenüber Gelb- und Braunrost. Die Winterhärte ist mit gut eingestuft. Hier gehört LG Optimist zu den besseren Sorten. Die unterdurchschnittliche Standfestigkeit ist vor allem in regenreichen Frühjahren zu beachten. Nach interner Einschätzung ist LG Optimist als Stoppelweizen gut geeignet.
RGT Kreation (RAGT) – NEU
RGT Kreation erreichte 2025 für eine A-Sorte gute Kornerträge. Die Rohproteingehalte der Sorte erreichen jedoch nur unterdurchschnittliche Werte, sodass im Erfassungshandel eine Vermarktung als B-Weizen einzukalkulieren ist. Die Toleranzen gegenüber Blattkrankheiten insgesamt gut zu bewerten und weißen keine Schwächen auf. Die hohe Fallzahl in Kombination mit der guten Fallzahlstabilität ist in unbeständigen Jahren zur Ernte ein Vorteil. Die tendenziell kürzere Pflanzenlänge und überdurchschnittliche Standfestigkeit sind vorteilhaft zu sehen. Auf die späte Abreife ist zu achten. Hier gehört RGT Kreation zu den spätesten Sorten im LSV.
Polarkap (DSV) – NEU
Polarkap konnte im tertiären Hügelland im Jahr 2025 mittlere Relativerträge liefern. In der mehrjährigen Verrechnung sind ebenfalls mittlere Ergebnisse erreicht worden. Die Rohproteingehalte liegen bei der Sorte für einen A-Weizen im mittleren Bereich. Gegenüber Krankheiten besitzt Polarkap gute Toleranzen. Im Jahr 2024 unter deutlich höherem Krankheitsdruck wie 2025, gehörte die Sorte in Bezug auf die Blattgesundheit zu den besten Sorten. In schwierigen Jahren ist das hohe TKG positiv zu sehen. Die mittlere Pflanzenlänge und mittlere Standfestigkeit gilt es zu beachten.
SU Jonte (Saaten-Union)
SU Jonte erreichte im Landessortenversuch in der mehrjährigen Verrechnung durchschnittliche teils unterdurchschnittliche Erträge. Im Jahr 2025 wurde dieses Ertragsniveau in Stufe 2 bestätigt. Der Rohproteingehalt von SU Jonte ist mittel eingestuft. Die Blattgesundheit der Sorte kann mit gut bis sehr gut bewertet werden. Schwächen sind nicht erkennbar. Auch die Einstufung gegenüber Fusarium ist überdurchschnittlich. Die kürzere Pflanzenlänge in Kombination mit einer überdurchschnittlichen Standfestigkeit bringen im Anbau Vorteile.
SU Magnetron (Saaten-Union) – NEU
SU Magnetron erreichte im Landessortenversuch in der mehrjährigen Verrechnung unterdurchschnittliche Erträge, die mit einer E-Sorte vergleichbar sind. Der Rohproteingehalt ist für eine A-Sorte deutlich überdurchschnittlich eingestuft. Dies bestätigte SU Magnetron auch in den absoluten Werten in den Jahren 2024 und 2025. Die Blattgesundheit der Sorte kann mit gut bis sehr gut bewertet werden. Die Einstufung gegenüber Fusarium ist lediglich mittel. Dies ist vor allem in Maisfruchtfolgen ein Thema. Die kürzere Pflanzenlänge in Kombination mit einer guten Standfestigkeit ist vorteilhaft. In der Abreife gehört SU Magnetron zu den frühesten Sorten, dies ist unbedingt in der Ernteplanung zu beachten. Die Fallzahlstabilität der Sorte ist schwach eingestuft.

Brotweizen (B)

KWS Mintum (KWS Lochow)
KWS Mintum erreicht in den mehrjährigen, überregionalen Verrechnungen überdurchschnittliche Erträge in Stufe 1 wie auch in Stufe 2. Die Erträge im Jahr 2025 waren ebenfalls überdurchschnittlich. Die Witterung kam der Sorte entgegen. Die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten ist insgesamt gering, wobei die letzten beiden Jahre später Braunrostbefall bonitiert werden konnte. Die Toleranz gegenüber Fusarium ist überdurchschnittlich. Die Standfestigkeit von KWS Mintum ist ebenfalls überdurchschnittlich.

Sonstiger Weizen (C)

KWS Keitum (KWS Lochow)
KWS Keitum gehört mehrjährig gesehen zu den ertragsstärksten Weizensorten im LSV. Die Sorte ist sehr blattgesund. Schwächen zeigt die Sorte bei DTR. Die Winterhärte bei KWS Keitum ist unterdurchschnittlich bewertet. Die niedrige Fallzahl und geringe Fallzahlstabilität können in Jahren mit Auswuchs Probleme bereiten. Dies konnte tendenziell im Jahr 2023 und auch im Jahr 2025 beobachtet werden. Die unterdurchschnittliche Standfestigkeit ist zu beachten. Wegen des sehr geringen Rohproteingehalts ist KWS Keitum in der eiweißreduzierten Fütterung einsetzbar. Als Brauweizen ist die Sorte im Anbau, wie auch von den Brauern und Mälzern anerkannt.
SU Shamal (Saaten-Union) – NEU
SU Shamal erreicht mehrjährig gesehen hohe Erträge im LSV. Die Sorte ist sehr blattgesund. Schwächen sind bei DTR zu verzeichnen. Den Erfahrungen aus 2025 nach zu urteilen, ist die Fallzahl, wie auch die Fallzahlstabilität besser als bei KWS Keitum zu werten. Die unterdurchschnittliche Standfestigkeit ist zu beachten. Wegen des sehr geringen Rohproteingehalts in der eiweißreduzierten Fütterung einsetzbar. SU Shamal bildet kleine Körner, was in der Einstufung des TKG´s sichtbar wird. Die Winterhärte von SU Shamal ist noch nicht abschließend bewertet.

Brauweizen

Der Bedarf an Brauweizen hat in der Vergangenheit kontinuierlich zugenommen. In den letzten Jahren ist der Bierabsatz jedoch eher schwächer ausgefallen. Die Beschaffung von regionalen Rohstoffen ist bei Brauern und Mälzern dennoch ein großes Anliegen, sodass immer wieder Interesse an Brauweizen besteht.

Bei der Erzeugung von Brauweizen ist es besonders wichtig, den Eiweißgehalt im Blick zu behalten. Ziel sollte es sein, nach analytischen Untersuchungen der Mälzer ein Eiweißgehalt von max. 12 % anzustreben. Zu beachten ist, dass die Untersuchung des Eiweißgehalts in den Mälzereien anders bewertet wird, als in der Backweizenproduktion.

Das Weizenprotein beinhaltet im Vergleich zu anderen Getreidearten mehr Stickstoff. Somit ist der Umrechnungsfaktor von Stickstoff zu Eiweiß bei Backweizen mit 5,7 definiert. Die anderen Getreidearten werden mit 6,25 multipliziert, um den Eiweißgehalt zu bewerten. Brauereien und Mälzereien verwenden jedoch auch bei Weizen, den für andere Getreidearten üblichen Faktor von 6,25. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Weizen, der in der Mälzerei 12 % Eiweiß beinhaltet, in einem Lagerhaus nach Vorgaben der Analyse bei Backweizen lediglich einen Wert von ca. 11% erreicht.

Damit diese niedrigen Werte umgesetzt werden können, muss die Wahl auf eine Sorte fallen, die hohe Erträge und gleichzeitig niedrige Rohproteingehalte liefert. Zudem muss die Stickstoffdüngung entsprechend geplant sein und die dritte Gabe im Vergleich zur normalen Weizenproduktion reduziert werden. Entsprechend wichtig ist es, die Abnahme der Ware in Form von Anbauverträgen sicher zu stellen.

Neben den agronomischen Eigenschaften sind für einen Brauweizen auch gute Mälzungs- und Braueignungen gefragt. Die Sorte KWS Keitum erreicht gute Malzeigenschaften. Auch die mittlerweile im LSV nicht mehr geprüfte Sorte Apostel ist als Brauweizen gut geeignet.
Vor allem bei KWS Keitum ist darauf zu achten, dass die Sorte gegenüber Fusarium lediglich mittel eingestuft ist. Beim Brauweizenanbau wird sehr hoher Wert auf möglichst geringe DON-Gehalte gelegt. Infektionen mit Fusarium sind demnach zwingend zu vermeiden.

Eine überdurchschnittliche Sortenresistenz gegenüber Fusarium wäre demnach bei der Sortenwahl wünschenswert. Gängige Praxis ist beim Brauweizen, dass dieser in der Fruchtfolge nicht nach Mais insbesondere Körnermais steht. Nicht selten ist der Ausschluss von Mais / Körnermais als Vorfrucht im Abnahmevertrag geregelt.

Bei der Sortenwahl im Brauweizenbereich ist es sehr wichtig, den Kontakt zum Abnehmer bzw. dem Verarbeiter zu suchen.

Brauweizen zeichnen sich im Allgemeinen durch einen niedrigen Rohproteingehalt, eine niedrige Viskosität der Maische und einen hohen Extraktgehalt aus. Die Sorte, die für den jeweiligen Anbau in Frage kommt, ist im Vorfeld immer mit dem Abnehmer abzustimmen.

Versuchsergebnisse, Sortenbeschreibung, Hinweise zur Produktionstechnik